Über [˙le:a]

Das Laboratorium für experimentelle Autor:innenschaft Tübingen–Weimar (kurz: [˙le:a]) ist eine Initiative zwischen dem Studio Literatur und Theater an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Dozentur für Film- und Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar. Sie beschäftigt sich mit dem Schreiben als sozialer, epistemischer und künstlerischer Praxis. In Schreibexkursionen, offenen Ausschreibungen, Gesprächsformaten und Lehrprojekten erproben wir neue Formen des akademischen und kollektiven Schreibens. Unser Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Schreiben nicht nur als Prüfungsleistung verstanden wird, sondern als Praxis der Auseinandersetzung, der Positionierung und der kollektiven Wissensproduktion.

Autor:innenschaft wird heute noch immer häufig autoritär gedacht: als eindeutige Zuschreibung, als Herkunftsnachweis, als Garant für Transparenz und wissenschaftliche Redlichkeit. Besonders im Kontext der Hochschule erscheint Schreiben oft vor allem als Prüfungsform. Haus-, Projekt- oder Abschlussarbeiten sollen belegen, dass Studierende fähig sind, Methoden, Begriffe und Theorien einer Disziplin korrekt anzuwenden und in eigenständige Denkprozesse zu überführen.

Doch Texte erzählen längst nicht mehr von ihrem eigenen Entstehungsprozess. Seit Schreiben vor allem in digitalen Textverarbeitungssystemen stattfindet, lässt sich aus einem fertigen Dokument kaum noch nachvollziehen, wie, wodurch und womit gedacht, verworfen, überarbeitet oder formuliert wurde. Der abgegebene Text gibt keinen unmittelbaren Einblick mehr in die Praktiken, Beziehungen und Prozesse, aus denen er hervorgegangen ist. Die Vorstellung einer „eindeutigen Autor:innenschaft“ im Sinne eines ausschließlich „menschlichen“ oder eines „eigenen“ Denkprozesses, der hinter Haus-, Projekt- oder Abschlussarbeiten stehen soll und den wir durch die Lektüre dieser fertigen Texte überprüfen könnten, erscheint deshalb zunehmend fragwürdig — nicht erst seit KI-generierte Texte Teil akademischer Wirklichkeit geworden sind. Kurz: Die Praxis des Schreibens ist nicht mehr nur ausschließlich über den fertigen Text (über-)prüfbar.

Wir verstehen Autor:innenschaft daher nicht als ein Besitzverhältnis zwischen Person und Text, sondern als eine Praxis des Schreibens, Denkens und Positionierens. Uns interessiert die Frage, wie Autor:innenschaft in konkreten Schreibprozessen als verschränkter Existenzvollzug mit Medien entsteht: im Austausch, im Überarbeiten, im Begründen einer eigenen Stimme und Haltung. Schreiben begreifen wir nicht primär als Instrument der Kontrolle oder Überprüfung, sondern als wirklichkeitsstiftende Praxis, in der Subjektivität, Verantwortung und Erkenntnis überhaupt erst hervorgebracht werden.

Deshalb versuchen wir, Schreibprozesse enger zu begleiten, gemeinsam zu reflektieren und als kollektive wie individuelle Praxis ernst zu nehmen. Statt Studierende lediglich dazu zu befähigen, Texte nach vorgegebenen Rezepten zu produzieren, möchten wir Bedingungen schaffen, unter denen sie ihre eigene Position entwickeln und ihre Autor:innenschaft begründen können.


Wer wir sind:

[˙le:a] ist eine Heterotopie, ist ein Gemenge, eine Meute, ein Kollektiv aus Viel- und Wenigschreibenden… [˙le:a] ist eine Ansammlung von Stimmen und Lauten, die sich ständig verdichten und wieder zerstreuen, die sich überlagern, verstärken und abkühlen. Aus diesem Rauschen haben sich bislang folgende Stimmen verdichtet:

Person (Nancy Hünger) in schwarzer Kleidung sitzt auf einer grünen, geometrisch geformten Bank mit dreieckigem Durchbruch im Hintergrund
Foto: Yvonne Berardi

Nancy Hünger

Foto: Yvonne Berardi

1981 geboren, studierte Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und verschrieb sich danach ganz der Literatur. Bei AZUR / Voland & Quist sind bereits sechs Bände mit Lyrik und Prosa erschienen, zuletzt »Wir drehen dem Meer unsere Rücken zu« (2025). 2023 wurde sie mit dem Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis ausgezeichnet. 2024 erhielt sie das Stipendium zum Rainer-Malkowski-Preis. Nancy Hünger lebt in Tübingen, wo sie das Studio Literatur und Theater leitet.

Mail: nancy.huenger[at]uni-tuebingen.de

Eine Person sitzt auf einem Stein am Ufer eines Sees. Sie lächelt in die Kamera und hält einen Hut in den Händen. Im Hintergrund liegt ein kleines Boot am Ufer und es ist ein größerer Busch zu sehen.
Foto: Simon Frisch

Simon Frisch

Foto: Simon Frisch

geboren im August 1969, Studium der Kulturpädagogik in den Fächern Bildende Kunst, Literatur/Theater/Medien und Philosophie in Hildesheim, lebt in Weimar und ist zurzeit Vizepräsident für Lehre und Lernen sowie Dozent für Film- und Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar. Zuletzt veröffentlichte er zusammen mit Teruaki Takahashi und Tilman Borsche 2024 Denken | Sehen. Japanisch-Deutsche Spaziergänge auf Kunstwegen. Im Kern seiner Arbeit und Forschung steht ein generelles und im Speziellen ein kulturkomparatistisches Interesse am Denken in und von Prozessen und Vorgängen. Damit verbunden ist ein besonderes Interesse an der Methode der Spaziergangswissenschaft. Darüber hinaus gilt seine besondere Aufmerksamkeit den verbalen Artikulationsformen, sowohl der verbalmündlichen (Gespräch) als auch der verbalschriftlichen (Schreiben), als zentrale akademische Kompetenzen, die in allen Disziplinen einer Universität von besonderer Bedeutung sind. Dabei ist es ihm wichtig, in der Gegenwart und für die Zukunft Fragen nach Kunst, Handwerk und Medien der verbalen Artikulation und der Gründung von Autor:innenschaft zu stellen. In diesem Kontext interessiert er sich zudem für die akademische Erschließung von Artikulationsformen, die neue Aufzeichnungs- und Distributionsmedien über die Verbalschriftlichkeit hinaus bieten.

E-Mail: simon.frisch[at]uni-weimar.de

Person (Nina Lenz) in beiger Jacke. Im Hintergrund ein Fluss, der sich durch die Landschaft zieht und von Bäumen umgeben ist.
Foto: Luna Thalmann

Nina Lenz

Foto: Luna Thalmann

geboren 1993, Studium der Germanistik und Literatur- und Kulturtheorie, lebt in Tübingen und schreibt Lyrik und Prosa. Zuletzt veröffentlichte sie unter anderem in den Zeitschriften Sinn und Form, Literarische Blätter, Open Sewers und manuskripte und war Finalistin beim Hans-Meinke-Preis 2023. 2026 erscheint ihr Debüt Formulierungen im Verlag Prima Publikationen. Sie ist Dozentin und Mentorin u. a. am Studio Literatur und Theater der Uni Tübingen und beschäftigt sich mit Praktiken des Lesens und Schreibens.

Mail: nina.lenz[at]uni-tuebingen.de

Person (Jonas Böddicker) in einem weißen T-Shirt vor einer Hauswand aus beigen Naturstein.
Foto: Jonas Böddicker

Jonas Böddicker

Foto: Jonas Böddicker

1997 in Geseke geboren, studierte Informatik in Karlsruhe sowie Medienkultur und Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar. Er schreibt und lektoriert lyrische, essayistische sowie wissenschaftliche Texte und organisiert Lesungen, Publikationen sowie Workshops. Zuletzt veröffentlichte er Texte im Sammelband »Studien zu einer relationalen Medienanthropologie« (2026), der »eject – Zeitschrift für Medienkultur« (2024) sowie dem »PORT-Magazin« (2022) und organisierte zusammen mit Stefan Petermann das Publikationsprojekt »Du magst, was bleibt, wenn man es festhält« (2026). Zurzeit koordiniert und konzipiert er das Projekt »mit.schrift – Schreiben und KI zusammendenken« in der Universitätsentwicklung der Bauhaus-Universität Weimar.

Mail: contact[at]jonasboeddicker.com

Eine Frau mit roten Locken sitzt in nachdenklicher Pose auf einem Hocker vor einer weißen Wand und schaut nach links aus einem Fenster heraus, durch das etwas Licht in den Raum fällt.
Foto: Florian Sosna

Salma Pethö-Zayed

Foto: Florian Sosna

geboren 1995 in Wuppertal, erkundete Denkmalpflege in Lübeck, studierte 
Europäische Medienkultur in Weimar und Lyon. Während ihres 
Erasmus-Mundus Stipendiums der Europäischen Philosophie zog es sie nach 
Prag, Memphis und Toulouse. Als studentische Assistenz unterstützte sie 
künstlerisch-forschende Lehre sowie diverse kulturelle Projekte, im 
eTeach-Netzwerk Thüringen ist sie nun verantwortlich für die 
mediendidaktische Weiterbildung von Lehrenden. Sie fragt sich, wie sich 
Welt in Körper hineineinschreibt und wieder hinaus. Sie fragt sich, 
welches Wissen Geschichten eigen ist und wie Sprache Räume aufspannen 
kann, statt Grenzen zu ziehen.

Mail: salma.virag.pethoe-zayed[at]uni-weimar.de

Person (Alba Ruiz Dunbar) in schwarzem Pullover vor buntem, künstlerisch gestalteten Hintergrund.
Foto: Alba Ruiz Dunbar

Alba Ruiz Dunbar

Foto: Alba Ruiz Dunbar

aufgewachsen in Jena. Sie studiert Soziologie und Rechtswissenschaften in Tübingen und betreut zurzeit den Web-Auftritt des Studio Literatur und  
Theater und von [˙le:a].

Person (Johanna Medentsev) in schwarzer Kleidung vor einem grauen Hintergrund.
Foto: Johanna Medentsev

Johanna Medentsev

Foto: Johanna Medentsev

geboren 2003 in Bernburg (Saale), lebt und studiert (Medienkultur B. A.) derzeit in Weimar. Sie schreibt Lyrik und Prosa, ist Mitveranstalterin sowie Teil des festen Ensembles der Lesebühne »salonunfähig« und leitet die studentische Initiative für kreatives Schreiben »schreibhaus« an der Bauhaus-Universität Weimar.

Person (Marcela Rohrmann) in beiger Jacke und weißen Rollkragenpullover vor einer weißen Hauswand.
Foto: Marcela Rohrmann

Marcela Rohrmann

Foto: Marcela Rohrmann

geboren 2001 in Bad Homburg vor der Höhe, studierte in Weimar Medienkultur und studiert aktuell im Master Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Filmkulturen. Als wissenschaftliche Assistentin an der Bauhaus-Universität Weimar unterstützt sie das Vizepräsidium Lehre und Lernen sowie die Universitätsentwicklung. Sie berät Studierende als studentische Schreibtutorin zum wissenschaftlichen Schreiben und organisiert Lehrveranstaltungen zum kreativen Schreiben.